Bani und ich sind zwei Tage vor ihren Eltern angekommen. Am Tag der Ankunft von Banis Eltern wollten wir sie am Flughafen abholen. Wir entschieden uns dafür den öffentlichen Bus anstatt Uber zu nehmen. Der sollte billiger sein und wir finden es immer spannender öffentliche Verkehrsmittel zu benützen.

Laut Lonely Planet sollte der Bus von der Stadt zum Flughafen 150 LKR kosten (CHF 1). Als wir einstiegen, war der Bus noch voll mit Einheimischen. Je näher wir dem Flughafen kamen, desto mehr leerte sich der Bus jedoch, so dass wir bei unserer Ankunft die letzten zwei Passagiere waren. Wir sassen ganz hinten im Bus und als der Kondukteur kurz vor unserer Ankunft nach hinten kam, fragten wir ihn, wie teuer der Bus sei. Er sagte 1300 LRK. Wir glaubten zuerst an ein Missverständnis und fragten ihn dann nochmals, als wir beim Flughafen ankamen. Der Kondukteur beharrte auf dem Preis von 1300 LRK pro Person. Wir waren uns ziemlich sicher, dass der Kondukteur uns übers Ohr hauen wollten und weigerten uns den Preis zu zahlen. Nach einer kurzen Diskussion drückten wir ihm widerwillig 300 LRK pro Person in die Hand und liefen weg. Allerdings machte ich noch kurz ein Foto vom Bus mit der Absicht beim Flughafen nachzufragen, ob der Bus wirklich 300 geschweige denn 1300 LRK kostete. Die Dame hinter dem entsprechenden Schalter beim Flughafen war sich nicht sicher, meinte aber auch dass der Bus eigentlich nur 150 LRK kosten sollte. Als ich ihr sagte ich wolle mich beschweren, sagte sie mir der Polizeiposten befände sich auf der Strasse gegenüber des Flughafens. Da wir sowieso auf Banis Eltern warten mussten und ich genug hatte davon verarscht zu werden, dachte ich mir ich können ja mal beim Polizeiposten vorbeischauen.

Die Polizisten dort waren sehr freundlich und nahmen meine Empörung über den Betrüger ernst. Nachdem ich ihnen das Foto des Busses gezeigt hatte, machten sie ein paar Anrufe und bestellten eine Motorrad Einheit zum Posten. Das ganze wurde für mich langsam zu einem unterhaltsamen Schauspiel. Die Motorrad Einheit erhielt den Auftrag den Kondukteur beim nahegelegenen Parkplatz aufzuspüren und auf den Posten zu bringen. Und nach ein paar Minuten kehrten sie tatsächlich mit ihm zurück. Er musste sich dann vor dem Polizeichef stellen und wurde ausgefragt. Ein bisschen Schadenfreude darüber, wie er vor dem Polizeichef herummurkste, konnte ich mir nicht verkneifen. Auch ich musste vor dem Polizeichef antreten und musste aussagen, was passiert war. Ich war dabei ziemlich nervös. Schlussendlich musste der Kondukteur zurück zum Bus um mir das zu viel abgenommene Geld zu besorgen und mir zurückzuerstatten. Die Polizisten waren durchgehend freundlich und es hat nicht so gewirkt, als würde es weitere Folgen haben für den Kondukteur. Trotzdem war ich froh um die Gewissheit, dass er dieses Spiel in naher Zukunft nicht wiederholen würde.

Ich war auch sehr überrascht von der srilankischen Polizei. Diese Erfahrung deckte sich nicht mit dem was man über die Polizei in Drittweltländern normalerweise sagt (und wir in Südafrika auch persönlich erlebten). Stattdessen handelten sie professionell und unkompliziert. Als ich zurück zum Flughafen kam, konnten Bani und ihre mittlerweile gelandeten Eltern die Geschichte kaum glauben.

Trotz diesem Erlebnis und auch dem in Galle, wo ein Tuc Tuc Fahrer versucht hatte noch mehr Geld zu verlangen als abgemacht, habe ich keine schlechte Meinung von den Locals. Es ist schon fast normal, dass versucht wird an den Touristen so viel Geld wie möglich zu verdienen. Angesichts der Armut in vielen dieser Länder finde ich das auch nicht verwerflich. Man muss sich dessen als Tourist einfach bewusst sein und wenn es zu extrem wird sich zu wehren wissen.