Erwartung vs. Realität

Bevor wir nach Indien reisten habe ich Bani mehrere Male von den Erfahrungen meines letzten Indien-Aufenthalts berichtet. Dass diese aufgrund von Betrügern, der umwerfenden Armut und dem Schmutz nicht nur positiv waren, steht schon hier geschrieben. Vanessa war denn vor unserer Ankunft auch dementsprechend verunsichert, was sie wohl erwarten würde. Glücklicherweise hat sich herausgestellt, dass diese Erfahrungen Delhi zwar korrekt wiedergaben, allerdings für die anderen besuchten Orte nicht repräsentativ waren. Die meisten anderen Orte ausserhalb von Delhi und Agra haben uns sehr positiv überrascht. Die Farbenvielfalt, das feine Essen und die eindrücklichen Landschaften und Bauten. Dass die Armut in fast allen anderen Orten bei weitem nicht so ausgeprägt (oder zumindest offensichtlich) ist wie in Delhi, und dass die Leute freundlicher und gelassener sind und nicht so aggressiv versuchen Touristen von ihren „Dienstleistungen“ zu überzeugen, haben wir nicht unbedingt erwartet. Alles in allem hatten wir eine sehr schöne, interessante Zeit in Indien. Ich denke, dass Indien das Land mit dem grössten Gegensatz zur Schweiz ist. Genau das spielt wahrscheinlich auch eine grosse Rolle in der Faszination. Wir möchten Indien auf jeden Fall noch besser kennenlernen und in der Zukunft noch weitere Orte in diesem Land bereisen.

Essen und Delhi Belly

Das Essen in Indien war hervorragend. Wir haben nirgends auf unserer Reise so oft so gut gegessen, wie in Indien. Zwar gab es einige Begegnungen mit dem berühmten Delhi Belly, aber das hat unserer Begeisterung über das Essen fast keinen Abbruch getan. Insbesondere die nordindische Küche mit ihren Curries, Paneers und Butter Naan hat uns überzeugt. Ein Vorteil in Indien ist, dass es sehr einfach ist gutes, vegetarisches Essen zu bekommen, da viele Hindus vegetarier sind. Bani hat in ihrer ganzen Zeit in Indien nie Fleisch gegessen, ich ein Mal. Dazu kommt, dass wir oft nicht mehr als CHF 5 für ein hervorragendes Essen für zwei Personen inklusive Getränken bezahlt haben.

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Leckeres Abendessen im Burma Burma Restaurant in Mumbai

Selfies mit Indern

In Amritsar, unserer ersten Destination in Indien, begegnet man wenigen westlichen Touristen. Dementsprechend erhält man auch viel Aufmerksamkeit von den Indern, insbesondere in der Anlage des goldenen Tempels. Neben unablässigen Blicken äusserte sich das auch in regelmässigen Fotowünschen. Anfangs fühlt man sich auch ziemlich geehrt durch soviel Aufmerksamkeit. Wir haben die Inder dann unsererseits auch um ein Foto gebeten. Wenn man die Bilder anschaut könnte man allerdings meinen, dass wir sie zu den Fotos gezwungen hätten, oder dass Lachen in der Tempelanlage verboten war.

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Schweiz in Bollywood Movies

Indien war das erste Land, wo wir das Gefühl hatten, dass die Einheimischen sich wirklich etwas unter der Schweiz vorstellen können. Wir wurden in Indien so oft wie nirgends sonst gefragt, woher wir seien. In 50% der Fälle wurde uns die Frage aber nicht aus Interesse, sondern als Aufhänger um mit uns ins Gespräch zu kommen und nachher etwas verkaufen zu können gestellt. Seis drum, mein Punkt ist, wir hatten genügend Gelegenheit die Reaktion der Leute auf unsere Antwort zu studieren. Sehr viele Inder haben das Bild der Alpen vor Augen, wenn sie Switzerland hören. Oft kam auch die Reaktion, dass die Schweiz beautiful sei. Auf unsere Nachfrage kamen Antworten die zeigten, dass die Leute die Schweiz kennen und uns nicht mit Schweden verwechseln. Das ist schön, weil in den meisten anderen bereisten Ländern hatten wir das Gefühl man kennt die Schweiz nicht. Wahrscheinlich weil sie zu klein und unbedeutend ist. In Indien spielt die Schweiz aber eine grosse Rolle. Sie ist Kulisse für unzählige Bollywood Movies, die Filme, welche in Bombay produziert werden und sich oft um irgendwelche kitschigen Liebesgeschichten drehen. Bollywood Filme werden anscheinend häufiger gesehen als Filme aus Hollywood, das erklärt gut wieso die Schweiz in Indien so einen Bekanntheitsgrad geniesst.

Thongs vs. Thong

In Kerala haben wir in einem Guesthouse übernachtet, wo auch ein älteres Paar aus Australien zur gleichen Zeit wie wir dort waren. Wir haben uns mit ihnen unterhalten und ihnen auch erzählt, dass wir bald noch nach Australien gehen. Der Mann meinte dann, wir könnten uns freuen. Der Dresscode in Australien sei viel lockerer, als in Indien, wo Frauen nie in kurzen Hosen und Röcken oder schulterfrei rumlaufen sollten. Der Australier meinte lachend man könnte den ganzen Tag in „Thongs“ herumlaufen, das störe niemanden. Ich war etwas überrascht, dass der ältere Herr, den wir gerade erst kennenlernten, mich dazu ermunterte in einem Tanga rumzulaufen. Ich lachte aber und meinte ich hätte leider keinen „thong“, den ich anziehen könnte. Er korrigierte mich dann aber schnell und sagte „thongs“ bedeute Flipflops und sei nicht mit einem Tanga zu verwechseln. Alles klar.