In Peking hatten wir unser bisher unschönstes Erlebnis auf unserer Reise. Nach unserem morgendlichen Chinesisch Unterricht haben wir am Nachmittag den Jingshang Park nördlich der Verbotenen Stadt erkundet. Insbesondere die Aussicht auf die Verbotene Stadt von einem Tempel auf einem Hügel im Park machen ihn zu einem Muss.

Nachdem wir die Aussicht genossen haben, setzten wir uns an den Rand des kleinen Tempels und schauten im Reiseführer, wo wir etwas essen gehen wollten. Daraufhin hat uns eine junge Chinesin angesprochen und gefragt, ob wir Hilfe bräuchten. Um nicht abweisend zu wirken, haben wir gesagt wir suchten ein Restaurant. Wir sind dann miteinander ins Gespräch gekommen und sie hat uns erzählt, dass sie die Schweiz besucht hat und vom Land begeistert sei. Sie sagte, sie sei aus Shanghai und für ein paar Tage in Peking. In Shanghai sei sie Englischlehrerin für Primarschüler. Sie hat uns nach einer Weile gefragt, ob wir mit ihr etwas trinken gehen würden im Park, so dass sie ihr Englisch verbessern könne. Offen und nett wie wir sind, haben wir zugestimmt.

Wir sind dann mit ihr zusammen durch den Park geschlendert, bis wir scheinbar zufällig an einem Teehaus vorbeigekommen sind. Die Dame hat uns gefragt, ob es da okay sei, worauf wir uns reingesetzt haben. Sie hat uns dann vorgeschlagen traditionellen chinesischen Tee zu trinken. Dagegen hatten wir natürlich nichts einzuwenden. Während wir an unserem Tee schlürften, machte sie uns auf ein Bild aufmerksam, das angeblich Putin während einem Besuch in diesem Teehaus zeigte. Nachdem wir noch etwa 15 Minuten weitergeredet haben, machte sie relativ plötzlich klar, dass sie bereit sei wieder zu gehen. Weil die junge Dame so freundlich war, hat Vanessa ihr noch bevor die Rechnung kam, angeboten sie einzuladen in der Annahme, dass eine Kanne Tee und ein paar Snacks in China ja nicht so teuer sein könnten. Sie lag falsch. Die Servierdame hat die Rechnung in der Höhe von RMB 460 vorbeigebracht. Mir war relativ schnell klar, dass das umgerechnet CHF 70 sind. Weil wir nicht soviel Bargeld dabei hatten, bezahlten wir mit Kreditkarte. Bani hat nicht sofort realisiert, dass das umgerechnet CHF 70 sind. Mir erschien der Betrag in dem Moment schon als hoch, jedoch nicht als unmöglich in Anbetracht der Tatsache, dass der Präsident Russlands dort verkehrt. Als wir uns dann von der jungen Dame verabschiedet haben, dämmerte uns langsam, was gerade passiert war. Wir wurden verarscht.

Zuhause angekommen bingten wir „Teahouse Scam Beijing“ (Google ist in China gesperrt) und stiessen auf eine Vielzahl an Erlebnisberichten in Peking. Wir konnten kaum fassen, dass uns das passieren würde. Wenn wir vorher von diesem Scam gehört hätten, hätten wir gedacht, dass man extrem leichtgläubig sein muss, um Opfer dieser Betrüger zu werden. Waren wir wohl auch und es hätte zahlreiche Möglichkeiten gegeben, das Unheil abzuwenden. Das Beginnt bei unserem Versäumnis die Teepreise im Menü zu prüfen, welches die ganze Zeit auf dem Tisch stand.

Seis drum, am nächsten Tag haben wir nochmals ein paar Erfahrungsberichte gelesen und sind auf einen gestossen, wo die Opfer ins Teehaus zurückkehrten, um das Geld zurückzuverlangen. Nach kurzem Überlegen haben wir uns entschieden das auch zu tun und sind zurückgekehrt. Wir sind ins Teehaus marschiert und haben das Geld zurückgefordert mit der Begründung, dass das Betrug sei. Weil der Manager (bzw. die übersetzende Serviertochter) relativ schnell angeboten hat uns die Hälfte zurückzuzahlen, wussten wir was zu tun ist. Wir wollten all unser Geld zurück. Er hat sein Angebot verbessert und wollte uns RMB 340 von den bezahlten RMB 460 in die Hand drücken. Weil wir uns mittlerweile fast ein wenig in Rage geredet haben, nahmen wir das Geld nicht an und blieben stur. Wir haben gedroht mit der Polizei zurückzukommen. Auch sein (nicht unbegründetes) Argument, dass wir ja Tee und Snacks konsumiert haben und die chinesischen Kunden auch RMB 60 bezahlen für eine Tasse Tee interessierte uns nicht. Weil wir nach 15min immer noch in seinem Laden standen und der Ton immer rauher wurde, hat er den vollen Betrag auf den Tisch geknallt, uns gesagt wir sollen abhauen und uns mit „Fuck you!“ verabschiedet. Wir haben den Gruss erwidert und sind rausgestürmt. Immer noch aufgewühlt von diesem Erlebnis klatschten wir uns ab und genossen unser massives Glücksgefühl. Karma strikes again. Die Genugtuung war gross und der gratis Tee und die Snacks schmeckten im Nachhinein hervorragend.

Schade an der Sache ist, dass wir nun deutlich misstrauischer sind und nicht mehr so offen für Gespräche mit Einheimischen. In Xi’an wurden wir zwei Mal von Jugendlichen angesprochen und ich war beide Male sehr skeptisch, ob die uns nicht verarschen wollten.

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