Protagonisten in der japanischen TV Show „Rediscover Japan“

Auf einer Brücke im Zentrum von Osaka haben wir zwei Japaner angesprochen und gefragt, ob sie ein Foto von uns machen können. Nachdem sie das Foto gemacht haben, fragten sie uns, ob wir im Gegenzug kurz Zeit für ein „Interview“ hätten. Das „Interview“ bestand aus der Frage, ob wir am nächsten Tag ein paar Stunden Zeit hätten um für eine TV-Show zu drehen. Sie suchten Ausländer, mit denen sie Sehenswürdigkeiten Japans besuchen konnten. Die Show heisst Rediscover Japan. Mit uns wollten sie am nächsten Tag in eine traditionelle Shoppingstrasse (Shotengai) etwas ausserhalb vom Zentrum Osakas. Die Strasse, und Osaka allgemein, sei anscheinend bekannt für witzige Tanten/Omas (genannt Obochang), die dort in den Shoppingstrassen ihr Unwesen treiben. Natürlich haben wir zugesagt und sind am nächsten Tag zusammen mit der zweiköpfigen Filmcrew in die Shoppingstrasse gefahren.

Dort haben wir dann tatsächlich diese Tanten angetroffen und uns mit ihnen unterhalten. Sie waren in der Tat alle sehr aufgestellt und witzig. Wir können allerdings nicht beurteilen, ob das wirklich nur in Osaka so war oder auch in anderen Orte. Es ist allgemein sehr schwierig mit den Japanern in Kontakt zu kommen, da die meisten kein oder nur sehr wenig englisch sprechen. Das ist uns gerade nach den Philippinen sehr stark aufgefallen, wo die meisten Bewohner zumindest Grundkenntnisse beherrschen. Auch kulturell gibt es natürlich grosse Unterschiede, in den Philippinen ist es extrem einfach mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und ein paar Witze zu machen. Das hat uns in Japan teilweise gefehlt. Die Leute sind sehr höflich, aber auch distanziert. Am Tag mit dem Filmteam war das aber nicht so. Dank den sehr guten Englischkenntnissen des Kameraassistenten war es einfach mit den Leuten im Shotengai ins Gespräch zu kommen. Diese erwiesen sich nicht nur als witzig, sondern auch als sehr freundlich. Gleich bei unserer ersten Begegnung haben wir in einem Bildergeschäft ein sehr schönes Bild vom Mt. Fuji geschenkt bekommen, einfach so. Das  Bild wird definitiv einen Ehrenplatz in unserer Wohnung erhalten. Bei der zweiten Begegnung in einem Delikatessenladen, wollte uns die ältere Dame, die dort ein Päuschen gemacht hat, nicht mehr gehen lassen, ohne dass wir verschiedene Seegras Köstlichkeiten probiert haben. Auch die dritte Dame war superfreundlich. Die Filmcrew hat uns jeweils dazu ermuntert den Begriff Obochang (steht liebevoll für ältere Dame) auszusprechen. Als wir das bei der Begegnung mit der dritten Dame gemacht haben, war diese nicht erfreut und schlug mir leicht ermahnend auf den Arm und meinte ich solle sie mit „Unessa“ ansprechen. Die Filmcrew lachte sich kaputt und wie sich später herausgestellte, bedeutet das sexy Lady.

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Die traditionelle Kleidung der Obachang:

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Falschen Flug gebucht

An unserem letzten Abend in Tokyo ist uns während einem Restaurantbesuch aufgefallen, dass ich einen Flug falsch gebucht habe. Anstatt nach Peking habe ich den Flug nach Shanghai gebucht. Keine Ahnung wieso, wahrscheinlich hat mir der intensive Reisestress zugesetzt. Auf dem Nachhauseweg habe ich nochmals ungläubig das E-Ticket auf dem Handy angeschaut, weshalb ich nicht auf die Strasse schaute. Prompt bin ich mit meinen Kronjuwelen frontal in einen Pfosten gelaufen und wand mich danach vor Schmerz (physisch und psychisch ab meiner Dummheit) am Boden. Definitiv nicht mein bester Abend.

Stille in Japan

Das Erste, was uns in Japan aufgefallen ist, war die Ruhe. Am Flughafen und auch in der Stadt selbst war es an vielen Orten ungewöhnlich leise. Vielleicht ist uns das so stark aufgefallen, weil wir vorher Zeit in Manila verbracht haben. Manila ist generell laut, dreckig und überfüllt. In Tokyo, einer 28 Millionen Einwohner-Stadt, stellten wir während unseren Streifzügen fest, dass es an sehr vielen Orten mittendrin extrem leise ist. Dies trotz Verkehr und Menschenströmen. Wir schätzen, dass ein Grund für diese Ruhe die Japaner selbst sind. Im Allgemeinen sind sie sehr höflich, zurückhaltend und versuchen nicht zu stark aufzufallen.

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Zahlreiche Regeln und Rituale in Japan

Als wir in Japan ankamen wussten wir bereits, dass es hier einige spezielle Regeln gibt, die es als Japaner (und teilweise auch als Ausländer) zu befolgen gilt. So ertappten wir uns auch dabei, dass wir uns zu Beginn wohl ein bisschen zu viele Gedanken über die „richtige“ Verhaltensweise machten und übervorsichtig waren. Dazu gehörten beispielsweise Situationen im Restaurant oder im öffentlichen Verkehr. Weil es in der japanischen Kultur wichtig ist, sein Gesicht zu bewahren, wollten wir niemanden entblössen.

Wir legten diese Übervorsicht aber relativ schnell ab. Es ist normal als Ausländer in Fettnäpfchen zu treten und die Japaner nahmen es uns auch nie böse, oder haben es uns zumindest nicht gezeigt. Zudem helfen ein paar Brocken japanisch beim interkulturellen Verständnis.

Zu den Besonderheiten gehören zum Beispiel, dass man das Geld beim Bezahlen dem Gegenüber oft nicht direkt in die Hände gibt, sondern es in ein kleines Tablett legt. Oder dass gewisse Dinge mit zwei Händen übergibt und empfängt. Oder wie man in Bussen bezahlt. Oder dass man regelmässig die Schuhe ausziehen muss. Das sind Dinge, über die man sich häufig Gedanken macht, wenn man ein neues Land besucht. Aber ich schätze, dass wir uns in Japan noch mehr überlegt haben, weil wir wussten, dass es viele spezielle Verhaltensweisen gibt und die Japaner grossen Wert auf diese legen. Wir hofften auch ein bisschen, dass uns Banis Kollegin aus Tokyo eine kleine Einführung in die Do’s und Dont’s geben könnte, das hat aber leider nicht geklappt.